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»Was ist über­haupt ei­ne Bür­ger­stif­tung?«

Die­se Fra­ge hö­ren die Vor­sit­zen­de Dr. Gi­se­la Ha­ge­nau und Man­fred Kro­nen­berghs seit zehn Jah­ren. Im Inter­view gibt es Ant­wor­ten.

VON STEPHAN JOHNEN

Düren. Al­ler An­fang braucht Mut. Und ei­ne gro­ße Por­tion Op­ti­mis­mus. So wand­ten sich vor zehn Jah­ren die Grün­dungs­mit­glie­der der Bür­ger­stif­tung Dü­ren mit drei Fra­gen an die Öf­fent­lich­keit: Wer spen­det Geld? Wer spen­det Zeit? Wer spen­det Ide­en? Es gä­be am 16. Ju­ni kei­ne Ge­burts­tags­feier (Info­ka­sten), wenn die Fra­gen un­be­ant­wor­tet ge­blie­ben wä­ren. Im Ge­spräch mit der DZ blicken Dr. Gi­se­la Ha­ge­nau, Vor­sit­zen­de des Stif­tungs­vor­stands, und Schatz­mei­ster Man­fred Kro­nen­berghs auf zehn Jah­re er­fol­grei­che Arbeit zu­rück. Und sie wa­gen ei­nen Aus­blick in die Zu­kunft. Da­bei wird deut­lich: Opti­mis­mus und Mut kön­nen wei­ter­hin nicht scha­den.

Wel­che Fra­ge wur­de Ih­nen in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren am häu­fig­sten ge­stellt?

Ha­ge­nau:
»Was ist über­haupt ei­ne Bür­ger­stif­tung?« Die­se Fra­ge stell­te man uns vor zehn Jah­ren, die­se Fra­ge stellt man uns heu­te noch. Je­den Tag ent­decken Men­schen, dass es uns gibt. In ge­wis­ser Wei­se ist die Bür­ger­stif­tung auch nach zehn Jah­ren ei­ne Neu­ig­keit.


Da­bei ist Dü­ren doch ei­ne Stadt mit rei­cher Stif­tungs­tra­di­tion – vom Al­ten­heim bis zum Mu­se­um. Konn­ten Sie im Jahr 2003 nicht naht­los dar­an an­knüp­fen?

Ha­ge­nau:
Es gibt die­se Tra­di­tion in der Stadt. Aber gleich­zei­tig kön­nen vie­le Men­schen die Idee, die hin­ter ei­ner Bür­ger­stif­tung steht, nicht ein­ord­nen.


Wel­che Idee steckt denn da­hin­ter? Oder an­ders for­mu­liert: Was ist über­haupt ei­ne Bür­ger­stif­tung?

Kro­nen­berghs: Vie­le neh­men zu­nächst an, dass die Bür­ger­stif­tung wie ein Pro­jekt funk­tio­niert: Mit ei­nem klar um­ris­se­nen Start­punkt und ei­nem End­punkt. Sie ist aber auf Dau­er an­ge­legt, die Ar­beit soll auch in kom­men­den Ge­ne­ra­tio­nen noch Früch­te tra­gen. Zweck der Stif­tung sind die För­de­rung und Ent­wick­lung von Kul­tur, Bil­dung und Er­zie­hung so­wie von ge­ne­ra­tio­nen­über­grei­fen­den Pro­jek­ten in der Re­gion Dü­ren.


Wird die Stif­tung da­mit nicht zum Lücken­bü­ßer für klam­me kom­mu­na­le Kas­sen?

Kro­nen­berghs: Man­che Kri­ti­ker wer­fen uns ge­nau die­sen Punkt vor. Wir se­hen das et­was dif­fe­ren­zier­ter.
Ha­ge­nau: Die Bür­ger­stif­tung möch­te da ein­sprin­gen, wo der Staat nicht mehr oder noch nicht hilft. Der Staat kann nicht al­les ma­chen, er kann nicht al­le Pro­ble­me re­geln. Wir sind da­her kei­ne Lücken­bü­ßer. Die Bür­ger­stif­tung ist ei­ne Part­ne­rin. Wir un­ter­stüt­zen eh­ren­amt­li­che Men­schen, die gu­te Ideen ha­ben. Gleich­zei­tig le­gen wir ei­ge­ne Pro­jek­te auf. Im Rah­men un­se­res Men­to­ring-Pro­jekts sind bei­spiels­wei­se mehr als 50 Men­to­ren an 19 Schu­len eh­ren­amt­lich im Ein­satz. Sie lei­sten ei­ne auch für die Ge­sell­schaft wert­vol­le Ar­beit, ganz ge­zielt ein­zel­ne Schü­ler beim Le­sen und Schrei­ben zu un­ter­stüt­zen. Das geht über die Mög­lich­kei­ten des Un­ter­richts hin­aus – eben­so un­se­re »Sing­pau­se«, die wir an zwei Schu­len an­bie­ten. Sie ist zu­gleich Kon­zen­tra­tions­trai­ning, Er­go­the­ra­pie und ei­ne Ent­deckung der ei­ge­nen Stim­me.


Die Idee, ei­ne Stif­tung ins Le­ben zu ru­fen, ent­stand aber aus ei­nem fi­nan­ziel­len Eng­pass her­aus?

Ha­ge­nau:
Die Mu­sik­schu­le Dü­ren und ihr För­der­ver­ein be­fan­den sich zeit­wei­se in ei­ner schwie­ri­gen La­ge. Es war eher ein Zu­fall, dass das The­ma Bür­ger­stif­tung dis­ku­tiert wur­de. Die Fra­ge stand im Raum, ob so et­was nicht auch für Dü­ren sinn­voll wä­re. Mit ei­ner Stif­tung könn­ten Ver­ei­ne, In­iti­ati­ven und das Eh­ren­amt breit­ge­fä­chert un­ter­stützt wer­den. So­weit die Idee.


Wie war da­mals die Re­so­nanz?

Ha­ge­nau:
Es gab un­glaub­lich viel Re­so­nanz. Im Früh­jahr 2003 wur­de die Idee pu­blik ge­macht. Nach ei­nem er­sten Tref­fen po­ten­ziel­ler Stif­ter hat­ten wir Zu­sa­gen über 27.000 Eu­ro. Im Ju­ni war die not­wen­di­ge Hür­de von 60.000 Eu­ro über­schrit­ten. Wir wa­ren die 45. an­er­kann­te Bür­ger­stif­tung in Deutsch­land, mitt­ler­wei­le gibt es über 300.

Kro­nen­berghs:
Aber der zu Be­ginn sehr gro­ße Zu­lauf hat sich nach ei­ner ge­wis­sen Zeit auch wie­der ver­lau­fen.


Das Stif­tungs­ka­pi­tal hat sich auf 659.000 Eu­ro er­höht. Ist das nicht ein gro­ßer Er­folg?

Kro­nen­berghs:
In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ha­ben die Zu­stif­tun­gen stag­niert. Wäh­rend sich in an­de­ren Städ­ten Ge­wer­be und In­du­strie sehr re­ge an Stif­tun­gen be­tei­li­gen, ha­ben wir es in Dü­ren bis­her noch nicht in dem von uns ge­wünsch­ten Ma­ße ge­schafft, der In­du­strie die Zie­le un­se­rer Stif­tung zu ver­mit­teln. Die Bür­ger­stif­tung wird zum gro­ßen Teil von der Bür­ger­schaft ge­tra­gen.


Mit an­de­ren Wor­ten: Es fehlt Geld?

Kro­nen­berghs:
Es wä­re wün­schens­wert, das Stif­tungs­ka­pi­tal zu ver­dop­peln. Da­mit hät­ten wir ei­ne grö­ße­re fi­nan­ziel­le Si­cher­heit bei der Pla­nung von Pro­jek­ten. Der­zeit sind wir stark auf Spen­den an­ge­wie­sen. Doch Spen­den sind nicht kal­ku­lier­bar – die Er­trä­ge aus dem Stif­tungs­ka­pi­tal, die wir ver­wen­den kön­nen, hin­ge­gen schon.


Macht Ih­nen da­bei nicht die seit Jah­ren an­dauern­de Nie­drig­zins­pha­se zu schaf­fen?

Kro­nen­berghs:
Als wir die er­sten Be­trä­ge mün­del­si­cher an­ge­legt ha­ben, er­reich­ten wir sie­ben bis acht Pro­zent Zin­sen. Heu­te sind es im Schnitt 2,5 Pro­zent, wir kön­nen 12.203 Eu­ro aus­ge­ben. 2011 ha­ben wir noch ei­nen Er­trag aus dem Stif­tungs­ka­pi­tal von 16.399 Eu­ro ver­bucht. Und vie­le Ver­trä­ge lau­fen im kom­men­den Jahr aus. Das er­klärt, war­um wir für Pro­jek­te wie die »Sing­pau­se« auf Spen­den an­ge­wie­sen sind. Ei­gent­lich wol­len wir das An­ge­bot auch auf wei­te­re Schu­len aus­wei­ten. Doch oh­ne Spen­den kann es pas­sie­ren, dass wir es nur noch an ei­ner Schu­le über­haupt an­bie­ten kön­nen.


Ist ei­ne Stadt wie Dü­ren, de­ren So­zial­struk­tur ein­mal mit der ei­ner Ruhr­ge­biets­stadt ver­gli­chen wur­de, über­haupt ei­ne ge­eig­ne­te Stadt, um ei­ne Bür­ger­stif­tung ins Le­ben zu ru­fen?

Ha­ge­nau:
Dü­ren ist ge­ra­de die rich­ti­ge Stadt da­für. Die För­de­rung von Kin­dern und Ju­gend­li­chen ist ein wich­ti­ges The­ma für uns. Wir wol­len ih­nen bes­se­re Start­mög­lich­kei­ten ge­ben. Dar­auf zielt ja das Men­to­ring-Pro­jekt, für das wir im­mer neue Eh­ren­amt­ler su­chen. Wir pla­nen ein Pro­jekt, das mehr auf na­tur­wis­sen­schaft­li­che Fä­cher aus­ge­rich­tet ist. Wer der Bür­ger­stif­tung ei­nen Teil sei­ner Frei­zeit schen­ken möch­te, ist will­kom­men. Es gibt noch viel zu tun.


Wie steht es um die Be­reit­schaft der Men­schen, sich bei Pro­jek­ten ein­zu­brin­gen?

Kro­nen­berghs:
In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ha­ben wir vie­le gu­te Erfah­run­gen in den Pro­jek­ten ge­macht. Wir freu­en uns aber auch über neue Ge­sich­ter auf Vor­stands­ebe­ne. Wir schaf­fen die Ar­beit zwar noch, doch der Al­ters­durch­schnitt könn­te ru­hig et­was ge­senkt wer­den. Wir sind kein ex­klu­si­ver Club! In­ter­es­sen­ten kön­nen sich ger­ne ein­mal ei­ne Vor­stands­sit­zung an­schau­en.


Im Stif­tungs­rat sit­zen vie­le Po­li­ti­ker. Wel­che Rol­le spielt die Po­li­tik in der Stif­tung?

Ha­ge­nau:
Die Bür­ger­stif­tung ist un­ab­hän­gig und un­par­tei­isch. Wir las­sen uns nicht vor ei­nen Kar­ren span­nen.

Kro­nen­berghs:
Wenn von al­len Par­teien Mit­glie­der im Stif­tungs­rat sit­zen, hebt sich das auf.


Und wie steht die Stif­tung zur Po­li­tik?

Kro­nen­berghs:
Wir sa­gen deut­lich un­se­re Mei­nung. Bei der Stadt­hal­le in Dü­ren bei­spiels­wei­se wa­ren wir sehr kri­tisch und ha­ben uns in die Dis­kus­sion ein­ge­bracht. Un­ser Ziel ist es aber, für ei­ne gu­te Sa­che et­was zu tun. Und nur die Sa­che ist Grund­la­ge für Ent­schei­dun­gen. Das rückt bei Par­tei­en schon ein­mal in den Hin­ter­grund.